Kleine Sensation in der Rhön: Erste Nachweise der Gottesanbeterin – Aufrufe zur Meldung
Rhön, 27.08.2026 – Vielen ist die Europäische Gottesanbeterin aus Urlauben im Mittelmeerraum bekannt. Doch die auffällige Fangschrecke ist inzwischen auch in Deutschland auf dem Vormarsch und hat nun offiziell die Rhön erreicht. Für das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist das ein bemerkenswerter Nachweis. Um mehr über die Ausbreitung der Art zu erfahren, bittet die Bayerische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön die Bevölkerung, Sichtungen der Gottesanbeterin oder ihrer Eiablagepakete zu melden.
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige in Deutschland heimische Fangschreckenart und mit einer Körperlänge von bis zu acht Zentimetern eines der größten einheimischen Insekten. Unverwechselbar sind ihre erhobenen Fangarme, die ihr auch den Namen verliehen haben: In Ruhestellung wirkt es, als würde sie beten. Mit diesen Fangarmen erbeutet sie unter anderem Spinnen, Fliegen und Heuschrecken. Die Färbung reicht von Grün bis Braun und ermöglicht ihr eine hervorragende Tarnung in der Vegetation. Das bekannte Klischee, dass das Weibchen nach der Paarung das Männchen frisst, ist übrigens nicht die Regel. Dieses Verhalten kommt lediglich gelegentlich vor, wenn das Weibchen vor der energieaufwendigen Eiablage zusätzlichen Nährstoffbedarf hat. Für Menschen ist die Gottesanbeterin allerdings völlig ungefährlich und ungiftig.
Durch heiße Sommer in neue Lebensräume
Lange Zeit galt die Europäische Gottesanbeterin in Deutschland als seltene wärmeliebende Art, die vor allem in besonders milden Regionen wie der Oberrheinebene vorkam. Infolge steigender Temperaturen konnte sie ihr Verbreitungsgebiet jedoch in den vergangenen Jahren deutlich ausdehnen.
Dass die Art nun auch die Rhön erreicht hat, ist dennoch bemerkenswert. Dies wird insbesondere auf die außergewöhnlich hohen Temperaturen des Sommers 2026 zurückgeführt. Für die Forschung sind Nachweise aus der Rhön besonders interessant, da das Mittelgebirge bislang eine große Lücke zwischen den bekannten Ausbreitungsgebieten im Südwesten und Nordosten Deutschlands darstellt.
Wo man die Gottesanbeterin entdecken kann
Von Mitte Juli bis zu den ersten Frösten im Oktober lassen sich erwachsene Gottesanbeterinnen an trockenwarmen Standorten beobachten. Häufig sitzen sie erhöht in krautreicher Vegetation und warten dort auf Beute. Finden lassen sie sich beispielsweise an sonnigen Waldrändern, auf Blühflächen, in naturnahen Gärten oder sogar auf Friedhöfen wo sich einer der ersten beiden bekannten Fundorte im Biosphärenreservat Rhön auf einem Lavendelbestand befand.
Zwischen August und Oktober legen die Weibchen ihre Eier in drei bis fünf Zentimeter großen, schaumartigen Eipaketen ab, sogenannten Ootheken. Diese können an Grashalmen, Sträuchern oder Steinen, aber ebenso an Hauswänden, Regenrohren, Zäunen oder Gartenmöbeln befestigt sein. Frische Ootheken sind weißlich gefärbt und verfärben sich später strohgelb bis braun.
Bevölkerung kann wichtige Hinweise liefern
Für die Erforschung der Ausbreitung der Gottesanbeterin sind aktuelle Beobachtungen von großer Bedeutung. Wer beim Spaziergang, im Garten oder auf dem Friedhof eine Gottesanbeterin oder ein verdächtiges Eiablagepaket entdeckt, kann die Forschung des Biosphärenreservats aktiv unterstützen.
So einfach geht’s:
- Foto der Gottesanbeterin oder des Eiablagepakets aufnehmen, möglichst aus mehreren Perspektiven.
- Fundort und Datum notieren.
- Die Beobachtung mit Foto und Funddaten melden:
- per E-Mail an:
- über die Naturbeobachtungsplattform iNaturalist
- über NABU naturgucker
Foto 1: Europäische Gottesanbeterin mit grüner Farbe / Foto: SaidBraim / Piaxabay
Foto 2: Europäische Gottesanbeterin mit strohbrauner Farbe mit den zwei auffälligen schwarz-weißen Flecken am Ansatz der Fangarme / Foto: Holger Krisp
Foto 3: Eiablagepaket der Gottesanbeterin, das man zum Beispiel auch im eigenen Garten an Hausmauern, Regenrohren oder unter Gartenstühlen finden kann / Foto: iNaturalist Research grade Observations CC BY-NC 4.0


