Verborgenes Leben im Rhöner Grundwasser – Land der offenen Fernen ist Heimat des Höhlen-Zwergflohkrebses
Höhlentier des Jahres 2026
Verborgenes Leben im Rhöner Grundwasser – Land der offenen Fernen ist Heimat des Höhlen-Zwergflohkrebses

Rhön, 14.01.2026 – Tief unter den Gipfeln der Rhön, verborgen im dunklen Grundwasser alter Bergwerksstollen, lebt ein echtes Rhöner Original: der Höhlen-Zwergflohkrebs. Nur drei Millimeter groß, farb- und augenlos, ist er dennoch ein wichtiger Botschafter für die verborgene Artenvielfalt unter unseren Füßen. Zwei alte Braunkohlestollen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön gehören zu den bislang wenigen bekannten Fundorten dieser außergewöhnlichen Tierart. Nun wurde der unscheinbare Grundwasserbewohner vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher zum Höhlentier des Jahres 2026 gekürt.
Beide bekannten Rhöner Fundorte liegen in ehemaligen Bergwerksstollen im bayerischen und hessischen Teil des Biosphärenreservats. Die Stollen waren über viele Jahre verschüttet und wurden erst vor wenigen Jahren im Rahmen von Maßnahmen zum Fledermausschutz wieder geöffnet. Dass dort heute nicht nur Fledermäuse, sondern auch hochspezialisierte Grundwasserlebewesen wie der Höhlen-Zwergflohkrebs vorkommen, zeigt die besondere ökologische Bedeutung dieser unterirdischen Lebensräume.
Stefan Zaenker, Vorsitzender des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Hessen und Leiter der bundesweiten Aktion „Höhlentier des Jahres“, betont die Schutzbedürftigkeit dieser Orte: „Aus Naturschutzgründen geben wir die genaue Lage der Stollen nicht bekannt. Leider werden Fledermausgitter immer wieder aufgebrochen und müssen mit großem Aufwand repariert werden.“
Der Höhlen-Zwergflohkrebs (Crangonyx subterraneus) ist ein typischer Bewohner des Grundwassers. Er lebt in Quellen, Brunnen, Flusssedimenten, Stollen und Höhlen – überall dort, wo sauerstoffreiches Wasser vorhanden ist. Da er außerhalb dieser unterirdischen Lebensräume nicht überleben kann, gilt er als echter Höhlen- und Grundwasserspezialist. Diese enge Bindung an das Verborgene war ausschlaggebend für seine Wahl zum Höhlentier des Jahres 2026.
Die Art wurde bereits 1859 vom britischen Zoologen Charles Spence Bate wissenschaftlich beschrieben. Sie gehört zur Ordnung der Flohkrebse (Amphipoda) und besitzt – wie viele unterirdisch lebende Tiere – weder Augen noch Körperpigmentierung. Trotz seiner geringen Größe von etwa drei Millimetern ist der Höhlen-Zwergflohkrebs erstaunlich anpassungsfähig: Er kommt sowohl in zerklüfteten als auch in sandigen und feinporigen Grundwasserkörpern vor. Fortbewegt wird sich schwimmend oder auf dem Sediment laufend, meist mit dem Rücken nach oben. Die Nahrung besteht aus Kleinstlebewesen und organischem Material.
Die Gattung der Zwergflohkrebse ist vor allem aus Nordamerika bekannt, in Europa kommen nur wenige Arten vor. Der Höhlen-Zwergflohkrebs ist in West- und Mitteleuropa sowie in Großbritannien verbreitet, in Deutschland jedoch nur lokal häufiger nachweisbar – die Rhön zählt damit zu seinen besonderen Rückzugsgebieten.
Mit der Wahl des Höhlen-Zwergflohkrebse möchte der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. auf die enorme Bedeutung intakter unterirdischer Ökosysteme aufmerksam machen. „Diese Art steht stellvertretend für viele kaum erforschte Lebewesen im Grundwasser“, so der Verband. „Gerade hier besteht noch großer Forschungs- und Schutzbedarf.“ Weitere Informationen zu den Höhlentieren des Jahres gibt es unter https://hoehlentier.de/
Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön per App erkunden
Mit der offiziellen App „Biosphärenreservat Rhön“ lässt sich das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat bequem und digital entdecken. Eine 3D-Karte bietet Touren- und Ausflugstipps, ein Routing-Tool zeichnet Wander- und Radwege auf. Die App liefert wertvolle Infos zur Rhöner Natur, Verhaltenstipps sowie ein „Virtuelles Panorama“ für einen Rundumblick – auch im Offline-Modus verfügbar. Die kostenlose und werbefreie App ist für iPhones und Android-Geräte in den App-Stores erhältlich.
Foto 1: Höhlen-Zwergflohkrebs / Foto: Klaus Bogon