Populisten fordern Europa heraus

Vier Tage, von Donnerstag, 15. bis Sonntag, 18. Aug. hat eine 11köpfige Delegation aus Fladungen an einem Partnerschaftstreffen in Köo/Estland teilgenommen. Mit dabei waren auch die Freunde aus Nora in Schweden. Neben dem Kennenlernen der Partnergemeinden und der Menschen steht auch immer ein europäisches Thema als Schwerpunkt auf dem Programmzettel. In diesem Jahr hat man sich mit einem ganz aktuellen Sachverhalt auseinandergesetzt: „Populisten fordern Europa heraus – eine Debatte über die Zukunft Europas“.
Der Wahlsieg von Donald Trump in den USA, der drohende „Brexit“, das Erstarken rechts- und linkspopulistischer Parteien und mehr und mehr populistisch geführte Regierungen wie z.B. in Polen oder Ungarn sind das Ergebnis eines Politikstils, der als Populismus bezeichnet wird. Kennzeichnend für diese Art von Politik ist, dass man mit den Ängsten und Nöten der Bürgerinnen und Bürger spielt und für komplexe politische Probleme radikal einfache Lösungen anbietet, die aber in der Realität oft nicht umgesetzt werden können.
In Vorträgen, Workshops und Diskussionen wurde herausgearbeitet, was Populismus eigentlich ist, wie Populisten agieren und warum der Populismus aktuell so viele Menschen anspricht. Die Rolle der sozialen Medien wurde dabei beleuchtet und auch wie gefährlich der Populismus ist und wie man darauf reagieren kann.
Die alljährlichen Treffen der Partnergemeinden werden von der EU gefördert und unterstützt. Ziel dieser Förderung ist, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in Europa besser kennenlernen und Verständnis für die jeweiligen Traditionen und Lebensweisen entwickeln um gemeinsam ein friedliches Europa zu gestalten.
Genauso wichtig wie die politischen Themen sind bei den Partnerschaftstreffen aber auch immer die Geselligkeit und die Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern der teilnehmenden Länder und Partnergemeinden. Für die Fladunger Delegation begann dies bereits mit der Ankunft in Riga, wo die Teilnehmer mit einem Kleinbus abgeholt wurden. Entlang der Ostseeküste fuhr man durch Lettland nach Köo in Estland wo man herzlich empfangen wurde. Auf dem Besichtigungsprogramm standen u.a. eine Biogasanlage. Während die Biogasanlagen in Deutschland überwiegend zur Strom- und Wärmeerzeugung konzipiert sind, wird das in der Anlage in Köo gewonnene Methangas gereinigt und zu Autogas verarbeitet. Der Rohstoff dafür ist Gülle aus der Landwirtschaft und vor allem der Grasschnitt aus den großflächigen, oft ungenutzten Wiesenflächen des dünn besiedelten Landes. Ein weiteres Besichtigungsobjekt war der „Aquapark“ in Suure-Jaani, eine Art „Gesundheitspark“. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Erholungsanlage mit Schwimmbad und medizinischer Versorgung für die Bevölkerung. So ist hier z.B. eine Praxis für Physiotherapie zu finden. Auch Räume für eine Arztpraxis stehen zur Verfügung. Allerdings tut man sich auch in Estland schwer, Ärzte auf das Land zu locken.
Der Olustvere Manor-Komplex war in früher Zeit ein riesiger Gutshof. Die ehemaligen Herrenhäuser wurden später häufig in Schulen umgenutzt. So auch der Olustvere Manor-Komplex, der heute als Berufsbildungszentrum dient. Der Ausbildungsschwerpunkt hier ist die Landwirtschaft, sowie das Bäckerhandwerk und die Imkerei. Auch eine Tourismus-/Hotelfachschule ist hier zu finden. Die Schüler haben den Teilnehmern des Partnerschaftstreffens bei einem Mittagessen auch gleich ihr Können gezeigt.
Insgesamt waren alle Teilnehmer von der Gastfreundschaft der Menschen, dem Programm und der Gastgebergemeinde Köo begeistert, so dass der Abschied schwer gefallen ist. 2020 wird man sich in Fladungen wiedersehen.