Diese Rückzüchtung zum Urrind zeichnet sich durch seine Robustheit aus. So kann es unbeschadet bei extremen Temperaturschwankungen leben und ist für eine ganzjährige Beweidung von halboffenen Flächen hervorragend geeignet.
Deshalb können Auerochsen sehr gut als Landschaftspfleger in der Rhön eingesetzt werden, da sie als große Pflanzenfresser Gras und Hecken kurz halten und ihr Dung Insekten anzieht, die Vögel und Fledermäuse als Nahrung benötigen.
Steckbrief des Auerochsen:
Die Kälber werden braun geboren und färben sich in den ersten 3-6 Monaten um. Die Stiere sind schwarz mit einem hellgelbgrauen Aalstrich. Die Kühe schwarz mit rötlichbraunem Einschlag und einem rotbraunen Aalstrich. Beide verfügen über ein weißbehaartes Maul, das sich je nach Ausprägung, wie auch die hellen Stirnlocken stark von dem schwarzen Kopfhaar abhebt.Sie erreichen eine Schulterhöhe bis zu 1,80m. Im Winter schützen sich die Tiere durch ein dichtes, stumpfes und längeres Winterfell. Das Sommerkleid ist kurz und glänzend. Die Hörner sind weit nach vorne oben ausladend und von heller bis weißer Farbe mit dunkler Spitze.
Geschichtliches:
Der Ur oder Auerochse (Bos primigenius) stammt, so vermuten es Wissenschaftler, aus dem Norden Indiens. Dort tauchte er schon vor ca. 2 Mio Jahren auf. Von dort aus eroberte er weite Gebiete. Bis China, Nordafrika und Europa breitete er sich aus. In Deutschland sind die ältesten Funde etwa 250.000 Jahre alt. Durch die Besiedelung der Menschen wurde das Wildtier immer weiter zurückgeträngt und 1627 wurde der letzte Auerochse in Polen von Wilderen erlegt. In den 1930er-Jahren begannen die Brüder Lutz Heck, Zoodirektor in Berlin, und Heinz Heck, Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn, mit der Rückzüchtung von Auerochsen aus alten Hausrindrassen.

Die Herde der Familie Kornester:
Im Juni 2003 begannen Carmen und Karlheinz Kronester mit ihrem privaten Naturschutzprojekt "Auerochsen (Heckenrinder) in der Hochrhön" indem sie auf einer 24 ha große, gepachteten Weide fünf Kühe und einen Bullen einstellten. Dazu mußten sie einen 3,5 km langen Elektrozaun installieren. Die Leitkuh der Herde heißt Laetitia und dieser "Chefin" mußte sich sogar der Bulle unterordnen.
Natürliche Unterstände wie Büsche und Bäume (meist Fichten) bieten den Auerochsen Schutz vor Witterungseinflüssen, Wasser bietet ihnen der Querenbach und Futter ist in ihrem Areal ausreichend vorhanden. Nur im Winter erfolgt eine Zufütterung mit Heu und Stroh.

Landschaftspflege:
Durch die Beweidung durch Auerochsen, wird die Rhöner Landschaft natürlich und kostengünstig gepflegt und in ihrem Ursprung erhalten. Es werden keine Maschinen mehr benötigt. Die Auerochsen als Pflanzenfresser weiden Gras und Hecken ohne der Flora zu schaden, da sie großflächig und pflanzen- bzw. bodenschonend vorgehen.

Paten:
Um dieses Pilotprojekt besonders zu würdigen übernahmen Staatsminister Eberhard Sinner Mdl für das Kälbchen "Zeus" und MdB Eduard Lintner für "Achilles" die Patenschaften. Sie lobten diese Alternative zur Landschaftspflege.

Besuch:
Im Oktober 2004 besuchte der "Verein zur Förderung der Auerochsen e.V." (VFA), der 1997 gegründet wurde und seinen Sitz in Mettmann hat, die Herde der Familie Kronester.

Im März 2005 kamen die Kinder des Fladunger Kindergartens mit auf die Hochrhön um bei der Fütterung mit Stroh Frau Kronester tatkräftig zu unterstützen. Sie bombadierten sie dabei auch mit vielen Fragen, die Frau Kronester auf einmal nicht alle beantworten konnte. So besuchte sie ein paar Tage später nochmal die Kinder um alle noch offenen Fragen zu klären.
Weiter Informationen sind durch einen Besuch vor Ort mit der Familie Kronester erhältlich.
Tel: 0170/9804018